Straßennamen und ihre Bedeutung

Hans-Wilhelm-Hansen-Weg

Im September 1978 wurden Bürger in Löttringhausen durch Schüsse aufgeschreckt. Damals hatten RAF-Terroristen im kleinen Wäldchen in der Nähe des Autobahnparkplatzes (Sauerlandlinie) Schießübungen veranstaltet. Als die Polizei anrückte, kam es zu einem Feuergefecht. Einer der Polizeibeamten und ein Terrorist starben. Durch Schüsse getötet wurde der damals 25 Jahre alte Polizeimeister Hans-Wilhelm Hansen (Bild). Nach ihm wurde eine neue Straße in Lücklemberg benannt (Abzweig des Kleinen Florawegs).

Die folgenden Straßen und Wege liegen in der Gartenstadt-Süd zwischen der Kirchhörder- und Dahmsfeldstraße. Das Baugebiet war bis in die 60er Jahre landwirtschaftlich genutzt.  Typisch sind die flachen Bungalows. Die Straßennamen beziehen sich auf Dortmunder Politiker, die meist vor 1933 politisch aktiv waren und nach dem Weltkrieg am Wiederaufbau der zerstörten Stadt maßgeblich beteiligt waren.

Wilhelm-Kaiser-Weg 
Dr. Kaiser (1877 bis 1961) war Oberlehrer in Bochum, später Stadtschulrat und Kämmerer in Dortmund. Als Mitglied der Zentrumspartei gehörte er dem preußischen Staatsrat und dem westfälischen Provinzialrat
an. Nach dem Krieg war er kommunalpolitisch aktiv.

Heinrich-Koch-Weg
Koch (1885 bis 1953) war Stadtverordneter der Zentrumspartei in Witten. Der Eisenbahn-Gewerkschafter gehörte nach dem Krieg zu den Mitbegründern der CDU in Dortmund und war Mitglied des Rates der Stadt Dortmund.

Friedrich-Lohse-Str.
Lohse (1886 bis 1961) war schon 1924 Stadtverordneter. 1945 stellte er sich wieder als Mitglied des Rates der Stadt zur Verfügung. Lohse gehörte - wie die folgenden Politiker - der SPD an.

Paul-Geisler-Weg
Geisler (1883 bis 1965) war nach dem Krieg im Rat der Stadt und aktiv in der Arbeiterbewegung. Dem Wohnungsbau  galt sein kommunales Engagement.

Karoline-Zorwald-W.
Frau Zorwald (1889 bis 1966) war vor 1933 und nach 1945 Stadträtin. Als Leiterin der Dortmunder AWO erwarb sie sich große Verdienste, besonders in den Jahren der Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre.

Bernhardt-Stade-Weg
Stade (1879 bis 1959) war seit 1946 Ratsmitglied. Er galt als Fachmann des Sozialwesens und war lange Zeit der älteste Kommunalpolitiker in Dortmund.

 Heinrich-Sträter-Str.

Sträter (1891 bis 1968) war führender Funktionär der Metaller-Gewerkschaft. Nach 1945 gehörte er dem Rat der Stadt, später dem Landtag und schließlich dem Bundestag an. Besondere Verdienste erwarb er sich um die europäische Integration.

Gustav-Levermann-W.
Levermann (1879 bis 1955) gehörte dem Dortmunder Magistrat und nach 1945 dem Rat der Stadt an. Von 1910 bis 1925 leitete er das Büro des Konsum- und Sparverein Dortmund-Hamm.

Wilhelm-Dresing-Str.
Dresing (1885 bis 1967) war seit 1919 Kommunalpolitiker im Landkreis Hörde, Amtmann und schließlich Bürgermeister in Wellinghofen. Nach 1945 war er Amtsdirektor in Ergste, danach bis 1964 Mitglied bez. Vorsitzender des Bürgerausschusses Wellinghofen, zu dem damals Lücklemberg gehörte.

Paul-Stattler-Weg
Sattler war Verwaltungsdirektor der AOK, Ratsmitglied und nach dem Krieg Beigeordneter sowie Direktor und Vorstandsmitglied der VEW.

Die nachfolgenden vier Straßen und Wege liegen alle im Baugebiet Lemberger Feld.

Schondellestraße
Der Schondellebach entspringt an der Preinstraße in Wellinghofen und wird  nahe der Quelle ins Abwasserrohr eingeleitet. Der Bach führt allerdings nicht immer Wasser. Durch den Zulauf des Olpkebachs wird die Schondelle auch vom Zoo mit Wasser beliefert. Namensdeutung: Die erste Silbe „Schon“ ist verwandt mit dem germanischen Skan und bedeutet Wald. Das niederdeutsche Delle steht für Talmulde oder Niederung.Schondelle ist demnach eine Waldniederung.

Ludekeweg
Der Name Lück als Teil des Ortsnamens ist wahrscheinlich von einem  Hofnamen abgeleitet. In einer Urkunde der Grafschaft Mark von 1303 wird ein Hof des Ludeke erwähnt. Im Schatzbuch der Grafschaft aus dem Jahr  1486 steht die ludeker buyrshap (Bauernschaft)  im heutigen westlichen Lücklemberg.

Buttweg/Seepenweg
Die Namen der beiden Wege gehen auf Höfe zurück, die schon im Mittelalter in mehreren Urkunden der Reichsabtei Werden und des Oberhofs Marten einige Male erwähnt werden. Besitzer war die adlige Familie von Bodelschwingh, welche die die Höfe verpachtet hatte.

Dahmsfeldstraße
Sie ist benannt nach dem Hof Dahm und führt auf einen alten Flurnamen hin. In der Katasterkarte des Amtes Wellinghofen von 1827 heißt diese Flur 7 an der Stadtteilgrenze zu Kirchhörde „Am Dahm“. Dahmsfeld ist das Feld, das zum Hof Dahm gehört, Der Hof liegt allerdings nicht direkt an der Dahmsfeldstraße. Heute gehört die Südseite dieser Straße zu Lücklemberg, die Nordseite zu Kirchhörde. 1486 erscheint der Hofname zuerst im Schatzbuch der Grafschaft Mark. Vorher hieß der Hof „to Lynnebecke“, zum Lindenbach, und gehörte zum einflußreichen Hörder Kloster Clarenberg. Als Pächter werden genannt: Herrmann Daem (1526), Andreas Dahm (1604), Mathias Dahme (1661) und Peter Dahms (1700). In den einschlägigen Werken ist keine Deutung des Namens Dahm zu finden, obwohl er ein bekannter Familiennamen ist.  Vielleicht ist der Name abzuleiten von Damm (Am Knüppeldamm), auch dämmen (Dicken der Flöswiesen), vielleicht auch von Thomas oder Adam. Der früher größte Hof im Dortmunder Süden stand als Zeugnis für die große bäuerliche Vergangenheit des Südens unter Denkmalschutz.  Nach einem Totalumbau für neue Wohnungen verlor das Gebäude den Schutz. Jetzt sind nur noch die Einfriedungsmauern geschützt. Die ehemaligen Felder des Hofes sind weitgehend bebaut.

Batheyweg
Abzweig von der Hollmannstraße. Johann Bathey vermachte 1515 testamentarisch sein Schulzengut dem Kloster Clarenberg. Die Familie von Bathey besaß im 15. Jahrhundert drei Güter und einen Hof in Wellinghofen und gehörte zum Adel der Grafschaft Mark.

Crachtstraße
Abzweig von der Galoppstraße. Die Straße wurde genannt nach dem Schultenhof Cracht. Die Familie war Vorfahre der seit 1638 bekannten Schulzen Hollmann. Die Namensdeutung: Chracht =  Kraft (in der Kraft des allmächtigen Gottes).

Hollmannstr.
Abzweig von der Hagener Straße. Benannt nach einem alten Gut in Wellinghofen. Konrad Adolf Hollmann, um 1800 genannt Schulze-Wellinghofen. 1893 bekundet Graf Dietrich von der Mark, daß er das Gut „tho dem Hole“ den Schulten und die Leute in seinen persönlichen Schutz nehme. Bezeichnung: tom Hoilde (1360), to dem Hale (1371). Der Name des Gutes kommt von der tiefen Lage der Hofgebäude im Tal der Olpke („im hol“), im Gegensatz zu der erhöhten Lage der übrigen Höfe in der Bauernschaft Lück. Namensdeutung: Hollman, tom Hoile, tom Hale.

Jökerweg
Ein Teil der Straße Forstweg am ehemaligen Städtischen Altersheim wurde in Jökerweg umbenannt. Das kinderlose Ehepaar Jöker hatte einen großen Teil seines Vermögens der Stadt Dortmund für kulturelle Zwecke vererbt.

Rählwiese
Abzweig von der Galoppstraße. In der Rähle, Rählwiese = alte Flurbezeichnung in der Katasterkarte von 1827. Die  Rählwiese befand sich früher im Besitz des Hofes Hollmann.

Floraweg
Diese Straße gehört zu den ältesten in Lücklemberg. Sie ist Sackgasse mit fußläufigen Verbindungen zum Kleinen Floraweg und zur Olpketalstraße. Hier befinden sich noch einige - inzwischen längst mehrfach modernisierte - Häuser der ersten Siedler (Bergleute und Stahlarbeiter) im 19. Jahrhundert. Die damaligen großen Grundstücke erlaubten kleine Landwirtschaften. Heute ist der Weg bevorzugte Wohngegend.

Liesemorgen
Abzweig vom Heide-krugweg bis zum Kleinen Floraweg. Liesemorgen ist ein Flurname, ebenso  wie die abzweigende Straße Gantenhals. Die Entstehung des Namens ist unklar. Eventuell Liese = Abkürzung des Vornamens Elisabeth, ein Morgen ist eine alte Bezeichnung für Grundstücksgrößen.

zurück
©
webmaster m.c.meurer 2001