WAZ vom 16. Mai 2006

EDG dünnt das Containernetz aus

Die Konzentration auf wenige, dafür großzügig ausgebaute und leistungsfähige Containerstandorte ist am Parkplatz des Wohnstifts "Augustinum" in Kirchhörde bereits zu besichtigen. Der Sammelplatz wird täglich gereinigt. Foto: WAZ, Helmuth Voßgraff

Aufkommen an Altglas sowie Altpapier gingen um je 30 Prozent zurück. Jetzt will sich die Entsorgung Dortmund auf weniger Standorte konzentrieren - besser ausgestattet und sauberer. In Bezirken regt sich erster Widerstand
Wo der Bedarf sinkt, muss im gleichen Maße das Angebot zurückgenommen werden. Der Logik der Infrastrukturrevision folgt die städtische Entsorgungstochter EDG, wenn sie bis zum Jahresende die Zahl der flächendeckend aufgestellten Depotcontainer für Altpapier und -glas um etwa ein Drittel auf 735 zurückfahren will. Grund: In den Containern ist das Aufkommen an Papier und Glas ebenfalls um etwa 30 Prozent gesunken.
Minderer Bürgerservice? Da regt sich unter Bezirkspolitikern Widerstand. Im Stadtbezirk Hombruch etwa. Da soll es statt jetzt 94 künftig nur noch 70 Standorte geben - "sterben" sollen vor allem solche, die nur schwach ausgelastet, dafür umso häufiger verunreinigt sind. Ein Ansinnen, dem die rot-grüne Mehrheit in der Bezirksvertetung eher skeptisch begegnet. In Aplerbeck haben die Bezirksvertreter bereits eine " Container-Kommission" gebildet, die der EDG "konstruktive Gegenvorschläge" unterbreiten will.
Vor zehn Jahren hatte die Stadt ihrer Entsorgungstochter noch aufgegeben, das Netz der Depotcontainerstandorte so eng zu knüpfen, dass pro 500 Einwohner ein Standort für Sammelbehälter zur Verfügung steht. Danach begann die Erfolgsgeschichte der handlichen PET-Mehrwegflasche aus Plastik. Zudem wurden PET-Flaschen pfandpflichtig.
Folge: Das Altglasaufkommen rutschte landauf landab in den Keller. 1998 lag es bundesweit noch bei 2,7 Mio Tonnen, im letzten Jahr waren es nur noch 2,1 Mio Tonnen. 1998 sammelte der Bundesbürger im Mittel noch 33 Kilogramm Altglas, 2005 aber nur noch 25 Kilo (-22 %).
Noch stärker machte sich die Entwicklung in Dortmund bemerkbar. Zwar ging die Altglasmenge von 1999 bis 2005 ebenfalls um 22 v.H. zurück, aber das Altglasaufkommen pro Kopf brach - von 26 auf 19 Kilo - um 27 Prozent ein.
In ähnlicher Größenordnung bewegt sich auch der Schwund beim Altpapier, das zwecks Verwertung in die Container wandert. Nach Einführung des gebührenfreien Hol-Systems (blaue Tonne) wuchs das den Dortmundern zur Verfügung stehende Behältervolumen von 9300 auf 12 000 Kubikmeter - ein Plus von 30 Prozent. Gleichzeitig sank die Ausbeute an Papier, Pappe und Kartonagen in den Containern von 33 900 Tonnen in 2004 auf 21 300 Tonnen in 2005 - ein Minus von 37 Prozent.
"Inzwischen haben wir mehr als 51 500 Papiertonnen wohnungsnah aufgestellt", rechnet EDG-Sprecher Kienitz vor. 29 600 120-Liter-Gefäße, 19 400 240-Liter-Tonnen sowie fast 2600 Gefäße mit einem Fassungsvermögen von 1,1 Kubikmetern. "Die Anmeldung zusätzlicher kostenloser Behälter ist und bleibt jederzeit möglich." Allein in den großen Siedlungen habe man ein noch ungenutztes Stellplatzpotenzial von 250 Sammelbehältern ausgemacht, berichtet Kienitz. "Wir sind im Gespräch mit den großen Gesellschaften."
Von "Qualitätsoffensive" spricht die EDG, weil es ihr nicht allein darum geht, Kosten zu sparen. Denn die 735 Containerstandorte (1:800 statt 1:500), mit denen man ins Jahr 2007 gehen will, sollen sich - dank künftig elektronischer Erfassung - leistungsfähiger und sauberer denn je präsentieren. Die EDG will mehr gestaltete Standorte vorhalten, zügiger auf Bedarfsänderungen und Verschmutzungen reagieren. Und dabei flexibel bleiben. Kienitz: "Auf gut begründete Änderungsvorschläge der Bezirksvertretungen gehen wir gerne ein."

Altpapier holt die EDG inzwischen direkt an der Haustür ab

15.05.2006   Von Rolf Maug

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