Westfälische Rundschau vom 21. August 2012

Ärger kocht hoch um Restaurant-Ruine

Ärger kocht hoch um Restaurant-Ruine

Das ehemalige Restaurant Haus Mentler in Löttringhausen seit 2007 geschlossen. Foto: Klaus Pollkläsener

Löttringhausen.   2007 schloss das frühere Nobelrestaurant. Langsam verfällt das denkmalgeschützte Gebäude. Der Anblick bietet Vergänglichkeit pur. „Seit 1880“ steht auf dem Schild am „Haus Mentler“ in der Schneiderstraße, ehemals einer der beliebtesten Gastronomiebetriebe im Dortmunder Süden. Doch die Beständigkeit, von der das Schild erzählen soll, gibt es schon lange nicht mehr. „Haus Mentler“ ist seit fünf Jahren geschlossen. Und wenn man sagt, die alte Fassade bröckelt, dann ist das eine ziemliche Untertreibung.

Örtliche Politiker aus Reihen der SPD kamen gestern an dem Fachwerkhaus zusammen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Denn es habe Bürgerbeschwerden gegeben, so Michael C. Meurer von der SPD Lücklemberg. Das geschlossene Hotel-Restaurant mit Biergarten sei zu einer Müllkippe verkommen. Sagt’s – und zeigt auf Container, die seit langer Zeit nicht ausgeleert worden seien. Auf alte Kühlschränke, die in den Hinterhof gestellt wurden. Auf allerlei Müll, den junge Leute bei Partys in der Restaurant-Ruine zurückließen. Die Polizei sei auch schon vor Ort gewesen. Vom Investor hingegen, der noch 2010 ankündigte, das Haus zu altem Glanz zurückzuführen, fehle jede Spur.

„Grundstück sofort sichern“

Ratsvertreterin Ingrid Krämer-Knorr nimmt den Anblick des ehemaligen Biergartens fast mit etwas Wehmut hin. „Was hat man hier früher gut gesessen.“ Und sie erinnert sich: „Es sollte ja immer wieder eine Gastronomie hierher. Wir haben ja nicht mehr viele Lokalitäten hier.“ Jetzt aber werden nachts Steine von Fremden aus dem Boden des Biergartens gepickt, die man offenbar noch im heimischen Garten gebrauchen kann. Es ist das Geben und Nehmen des Verfalls: Jemand hat eine alte Matratze in den früheren Biergarten geworfen.

Bisherige Anfragen, wann der Besitzer denn seine Pläne verwirklichen wolle, sind laut den SPD-Politikern ins Leere gelaufen. Offenbar gebe es Probleme mit dem Vorderhaus, das unter Schimmelbefall leidet. Der Denkmalschutz für das historische Haus werde wohl nicht aufrechtzuerhalten sein. Krämer-Knorr: „Da hilft dann nur noch Abriss.“ Die SPD-Politiker formulierten noch vor Ort einen Maßnahmenkatalog. Die Verwaltung müsse das Grundstück zunächst durch einen Bauzaun sichern. Es gehe auch nicht an, dass die Hecke auf den Fußweg ragt. Und: „Das Ordnungsamt sollte hier vermehrt seine Streifen gehen lassen“, sagt Volker Schultebraucks von der SPD Kirchhörde.

Dass das Fachwerk nicht mehr zu retten sei, hatte der Anwalt des neuen Eigentümers schon 2010 mitteilen lassen. Seither ist wenig Erkennbares geschehen. Bis auf das Nagen der Zeit an einer ehemals stolzen Fassade. Stolz seit 1880.

Jürgen Potthoff