Westfälische Rundschau vom 20. Oktober 2012

Löttringhausen

Keiner kommt ins Baugebiet

Keiner kommt ins Baugebiet

Das Neubaugebiet Düwelssiepen soll am Zickenbrink in Löttringhausen entstehen – Anwohner wollen die Bebauung verhindern. Michael C. Meurer und Volker SchultebraucksFoto: Klaus Pollkläsener

Löttringhausen.   Für die Anwohner steckt der Teufel beim geplanten Neubaugebiet Düwelssiepen im Detail. Besser (oder schlimmer) im Erdreich als Reste einer alten Farbenfabrik. Sie möchten das Baugebiet gerne verhindern. Doch ohnehin geht es scheinbar mit der Vermarktung nicht voran.

„Keiner weiß, was hier passiert“. Volker Schultebraucks und Michael Meurer (SPD) hatten erneut Anwohner vom Zickenbrink und Düwelssiepen zum Gespräch vor Ort eingeladen. Anlass wieder der ungeliebte Bebauungsplan „Hom 291“. Fazit nach dem knapp einstündigen Gespräch: In der Hombrucher Bezirksvertretungssitzung am 9. November wollen beide eine Anfrage an die Stadtverwaltung richten. Verlangt wird Aufklärung über den aktuellen Stand und die geplante Fortsetzung.

Zwischen Düwelssiepen und Zickenbrink sollen 25 Baugrundstücke zwischen 330 und 1100 Quadratmetern angeboten werden. Der Bebauungsplan ist inzwischen rechtskräftig. Zahlreiche Bäume wurden bereits abgeholzt, und dadurch „die herrliche Natur hier für immer zerstört“, bedauerte eine enttäuschte Anwohnerin.

Doch mit den vorbereitenden Arbeiten hatte es sich. Grundstücke würden angeblich im Internet angeboten; vom Düsseldorfer Investor selbst sei nichts zu sehen und zu hören lauteten die Klagen der Anwohner. „Interessenten“, so hatte BV-Mitglied Volker Schultebraucks erfahren, „sind schon da gewesen, aber wieder abgesprungen“. „Vielleicht richtet es der Markt“, hoffte eine Anwohnerin. „Früher haben wir das Tal ,Dampfschiff’ genannt“, erinnerte sich ein Bürger, „weil es im Frühjahr und Herbst soviel Nebel gab“.

Ulrich Bolz vom Düwelssiepen hatte Einblicke in ein 100-seitiges Bodengutachten vom Herbst 2011. Im Tal gebe es durch eine frühere Lack- und Farbenfabrik jede Menge Altlasten. Zwischen vier und sechs Meter tief müsste die kontaminierte Erde (u.a. mit Blei, Cadmium, Zink verseucht) abgetragen und entsorgt werden, meint Bolz. „Das Gutachten von 2011 ist uns nicht bekannt“, zuckten Schultebraucks und Meurer verständnislos mit den Schultern. Weiteres Ungemach könne noch drohen, so wurde vor Ort deutlich. Die Stadt habe sich nämlich beim Bebauungsplan nicht ausreichend abgesichert, hieß es. So könne es durchaus passieren, dass der Steuerzahler für die kostspielige Kontaminierung des Bodens aufkommen müsse.

Schmales Tal

Nach früheren Planungen sollte bereits im September mit den Arbeiten begonnen werden. „In diesem Jahr wird sich bestimmt nichts mehr tun“, war die einhellige Meinung von Politikern und Anwohnern. Gegen eine Randbebauung am Zickenbrink haben sie nämlich keine Einwände, doch schon etwas gegen ein voll bebautes schmales Tal mit engen und steilen Zufahrtsmöglichkeiten und Belästigung durch Lärm.

Joachim vom Brocke