In Löttringhausen :

Bürger-Initiative gegen Neubauten

Süd, 27.03.2011, Gerald Nill

Bürger protestieren gegen ein Neubaugebiet an der Straße Zickenbrink in Löttringhausen. Foto: Michael Printz

Bürger protestieren gegen ein Neubaugebiet an der Straße Zickenbrink in Löttringhausen. Foto: Michael Printz

Löttringhausen. Vogelgezwitscher, ein Dutzend steinalte Eichen und ein idyllisches Bachtal. Hier, am Zickenbrink in Löttringhausen, versuchen 30 Nachbarn ein Neubaugebiet sozusagen auf der Zielgeraden zu stoppen. Selbst in der Bezirksvertretung, die mit CDU- und SPD-Stimmen für die neue Siedlung gestimmt haben, gibt es inzwischen Zweifel.

Die meisten Nachbarn, die sich jetzt an dem Steilhang des künftigen Neubaugebietes treffen, kennen die Ecke schon seit Jahrzehnten. Sie wissen, dass die kleinen Anliegerstraßen am Zickenbrink und Düwelsiepen in einer der landschaftlich reizvollsten Ecken von Dortmund liegen. Sie leben sozusagen im Einklang mit der Natur: Buntspechte und Baumläufer, Dompfaff und Bachstelze sollen am Bach noch zu Hause sein. Selbst Fledermäuse haben sich am Rand von Löttringhausen niedergelassen.

Doch dieses Biotop ist in Gefahr, wie Regine Basque zusammenfasst. 18 000 Quadratmeter Fläche stehen zur Disposition. Anfangs, so bestätigen auch die Nachbarn, sei lediglich von einem Lückenschluss am Zickenbrink die Rede gewesen. Vier, fünf Häuser an der gepflasterten Anliegerstraße. Damit hätten alle leben können.

Doch dann war plötzlich die Rede davon, den ganzen Hang bis hinunter zum Bach zuzubauen. „Und das kann es nicht sein“, regen sich Friedhelm Lentz und Ulrich Bolz auf. Die Bezirksvertreter, die in ihrer letzten Sitzung für das Vorhaben gestimmt hätten, hätten die Brisanz des Neubau-Projektes noch nicht erkannt. Und SPD-Bezirksvertreter Michael Meurer bestätigt diesen Eindruck im Gespräch mit unserer Zeitung. Er versucht zu retten, was noch zu retten ist. Denn bereits am 31. März entscheidet der Rat der Stadt.

Meurer plädiert – post votum – jetzt dafür, den Zickenbrink noch einmal zu schieben, um alle Aspekte zu bedenken, ehe es zu spät ist.

Was es zum Beispiel bedeute, dass durch eine alte Lackiererei und Pechsiederei bis in eine Tiefe von sechs oder acht Metern verseuchte Erdreich auszubaggern und mit Hunderten Lkw abzutransportieren – über eine vier Meter breite Anliegerstraße wohlgemerkt.

Was es für Erwerber bedeutet, im Winter bei Schnee und Eis über eine zu bauende zwölf Prozent steile Stichstraße aus dem Bachtal überhaupt heraufzukommen. Was es bedeuten könnte, bei einem Starkregenereignis dort unten festzusitzen. Und ein Lärmgutachten habe überhaupt nicht den Düwelsiepen erfasst. Gerade dort werde aber der Schall von jedem Rasenmäher und den geschätzt 50 neuen Autos der Häuslebauer verstärkt herübergeweht.

Meurer wäre bereit gewesen, mit den Anliegern und dem Planungsamt vor der Ratssitzung noch mal das Gespräch zu suchen. Der Baudezernent habe den Riegel davor geschoben.

Das bekräftigt den Eindruck der Anlieger, dass die Stadt das Bauvorhaben auf jeden Fall durchpeitschen will, weil sie mit 25 Prozent selbst im Boot sei - und sich die Einnahmen nicht entgehen lassen wolle.

In einer Bürger-Initiative wollen sie gegen die neue Siedlung auf die Barrikaden gehen.

 
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