Westfälische Rundschau vom 9. März 2010

Schutzgemeinschaft Lücklemberg schlägt Alarm - Umweltamt wusste nichts von Rodungen :
Kahlschlag am geplanten Supermarkt   Von Susanne Meyer

Lücklemberg. Kahlschlag auf dem Areal des geplanten Rewe-Supermarktes an der Kirchhörder Straße: Der Grundstücksbesitzer ließ eine breite Schneise durch Bäume und Büsche fräsen, habe gar schon Markierungen für den Lebensmittelmarkt gesetzt, sagt Bettina Horster von der Schutzgemeinschaft Lücklemberg

Nicht nur die Anwohner waren alarmiert – auch Dr. Robert Marx vom städtischen Umweltamt war gestern vor Ort und prüft nun , ob die Fällaktion rechtens war.

„Für die vorgenommenen Rodungen gibt es keinerlei behördliche Genehmigung, ebenso wenig ein Planrecht”, stellte Stadt-Pressesprecher Hans-Joachim Skupsch schon vorab fest. Die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes sei erst in der Vorbereitung. Gefällt wurden jedoch nur alte Obstbäume, die laut Skupsch nicht unter die Baumschutzsatzung fallen. Mitarbeiter des Umweltamtes wollen in den nächsten Tagen zudem prüfen, ob es sich bei der Aktion „um einen nicht genehmigten Eingriff in die Natur oder um die illegale Rodung eines Waldes handelt”, erklärte Skupsch. Denn dann greife die Baumschutzsatzung. Untersucht werden müsse auch, „ob sich das Grundstück im baulichen Innnen- oder Außenbereich befindet.”

Eine sehr komplexe Rechtssituation, die das Umweltamt zum Handeln zwingt: „Der Eigentümer erhält eine ordnungsbehördliche Verfügung, nach der ihm alle weiteren Maßnahmen auf dem Grundstück bis auf Weiteres untersagt werden”, so Skupsch. Bis zum Abschluss eines Bebauungsplan- bzw. Baugenehmigungsverfahrens sind Maßnahmen auf dem Grundstück nur mit behördlicher Genehmigung statthaft. Die Schutzgemeinschaft Lücklemberg hatte erst Mitte Januar gegen die Pläne per Anwalt Einspruch erhoben, berichtet Vorsitzender Thomas Horster-Müller. Doch die Sorgen der Anwohner, hier würden nun mit schwerem Gerät Tatsachen geschaffen, seien unbegründet: Bevor der Rat entscheidet, haben bei der Offenlegung erst die Bürger das Wort, betonte Skupsch. Und die werden ihr Recht ausgiebig nutzen, kündigte die Schutzgemeinschaft an.

Auch Michael C. Meurer, Vorsitzender der SPD Lücklemberg, ist der Auffassung „dass der Neubau dieses Supermarktes aus ökologischen und verkehrstechnischen Gründen nicht umsetzbar ist”. Das glauben auch die Anwohner, die jedoch rein vorsorglich ein paar schwarze, hölzerne Schutzengel in den gerodeten Grünstreifen des Bebauungsplanes „Hom 295” gesetzt haben.

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