Westfälische Rundschau vom 26. Juni 2010

Brünninghausen : Schondelle geht vom Netz

Foto: Jochen Linz

Foto: Jochen Linz

Im Süden. Wasser, das nicht geklärt werden muss, gehört nicht ins Abwasser: Damit die Stadt Dortmund die Schondelle vom städtischen Kanalnetz abkoppeln und über eine rund 900 Meter lange neue Trasse direkt der Emscher zuführen kann, stellt das Land Nordrhein-Westfalen 4,52 Millionen Euro als Zuschuss zu den Gesamtkosten in Höhe von 5,97 Millionen Euro zur Verfügung. Den Zuwendungsbescheid nahm Oberbürgermeister Ullrich Sierau gestern von Regierungsvizepräsidentin Karola Geiß-Netthöfel entgegen.

Bisher mündet die Schondelle im Bereich der ehemaligen Hotelfachschule am Rombergpark in den Mischwasserkanal. Demnächst soll das Gewässer in weiten Teilen offen der Emscher zufließen: zunächst nördlich der Teichanlage Rombergpark hin zur denkmalgeschützten Torhausgräfte, dann entlang der Bundesstraße 54 in nordwestlicher Richtung und schließlich westlich des Bahndammes durch die Kleingartenanlage „Remy“.

Das natürliche Einzugsgebiet der neuen Trasse umfasst rund 1180 Hektar. Durch die Maßnahmen wird der Mischwasserabfluss pro Jahr um 774.000 Kubikmeter Wasser reduziert. Außerdem eröffnet das Projekt die Möglichkeit, die an den Wasserlauf angrenzenden befestigten Flächen ebenfalls vom Kanalnetz abzukoppeln: Regenwasser, das nicht versickern kann, könnte demnächst direkt in die Schondelle fließen.

Geiß-Netthöfel: „Die Maßnahme ist ein wichtiger Baustein für den Emscher-Umbau.“ Was Sierau gern unterstreicht: „Nur durch das Wiedereinleiten der unverschmutzten Nebenläufe wird die Emscher wieder zu dem, was sie vor mehr als hundert Jahren einmal war: Ein lebendiger kleiner Fluss mitten in Dortmund mit sauberem Wasser, sichtbar und erlebbar für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.“

Ein weiterer Vorteil des Projektes: Die Orte, durch die der Bach fließt, sind künftig besser vor Hochwasser geschützt. Das wird besonders die Anwohner freuen, die vor zwei Jahren vom Jahrhunderthochwasser überrascht wurden. Die Schondelle trat damals über die Ufer, überflutete unter anderem das Gelände des Reit- und Fahrvereins Dortmund-Süd.

Der 17 Millionen Euro teure Schondelle-Umbau ist eines der aufwändigsten Großprojekte seit Beginn der Kanalisation vor über 100 Jahren in Dortmund. 3,5 Kilometer Abwasserkanal aus Rohren mit einem Durchmesser von 2,20 Metern werden entlang des Baches in drei Bauabschnitten in bis zu 30 Metern Tiefe verlegt.

Der erste 1050 Meter lange Abschnitt wurde bereits in den Jahren 2007 und 2008 auf Phoenix-West für 7 Millionen Euro fertig gestellt. Die Gesamtmaßnahme wird voraussichtlich im Herbst 2010 abgeschlossen sein.

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