Westfälische Rundschau vom 24. März 2009
Zypressenweg
Angst vor Werteverlust im Villenviertel

Kirchhörde. Links: die Villen. Rechts: ein Sozialbau. Und dazwischen: Autos, Autos, Autos. Diese Vision schockiert Hauseigentümer an Zypressenweg und Pinienweg.

Sie kämpfen gegen den Wertverfall ihrer Grundstücke – am Dienstag (24. März, 14.30 Uhr) in der Bezirksvertretung, falls dort vergeblich wohl auch vor Gericht.

Weil sie sich geködert, verraten und irgendwie auch verkauft fühlen. Was habe man ihnen nicht alles versprochen – damals, beim Erwerb der Anwesen: „Wohnen der Extraklasse, exklusive Stadtvillen”, eine „illustre Nachbarschaft”, „ablesbar nicht nur an den Namensschildern, sondern auch an der außergewöhnlichen Architektur der Häuser”. Soweit der Hochglanztext. Die Zukunft sieht wuchtiger aus. Am Zypressenweg soll ein Mehrfamilienblock entstehen: sozialer Wohnungsbau, drei Geschosse, zehn Wohneinheiten. Schon das wurmt die Eigentümer, weil es „eine Minderung der Gründstückspreise” bedeute, schreibt Rechtsanwalt Martin Schäfer, einer der Unzufriedenen – und droht mit Zivilklage.

Gänzlich unakzeptabel aber sei die Tendenz, den Bauträger von der Pflicht befreien zu wollen, genügend Stellplätze nachzuweisen. Davon hat auch die CDU-Ortsunion Kirchhörde gehört. Vorsitzender Matthias Ulrich wittert „eine große Sauerei”. Ursprünglich sei eine Tiefgarage vorgesehen gewesen. „Die darf jetzt nicht zu Gunsten der Renditeoptimierung des Bauträgers geopfert werden.” Laut Bebauungsplan Hom 270 seien „pro Wohnanteil auf den Baugrundstücken zwei Stellplätze nachzuweisen”. Weil der Bauträger „in finanzielle Schieflage geraten” sei, so Ulrich, solle nunmehr ein Stellplatzschlüssel von 1:1 gelten. Der CDU-Mann wertet das als ein Indiz für „gute Kontakte zur Genehmigungsbehörde”.

Die Stadt äußert sich erst in der Sitzung. Auf Anfrage der Stadtteil-Zeitung deutete Planungsamtsvize Werner Steinschulte aber schon am Montag an, dass eine 1:1-Option denkbar – weil „nach baurechtlicher Prüfung zulässig” – wäre. Fraglich nur, ob die SPD mitzieht. Der schweben 15 Parkplätze vor, sagte Ratsvertreterin Ingrid Krämer-Knorr am Montag. Das entspräche einem Stellplatzschlüssel von 1:1,5. „Das reicht bei öffentlich gefördertem Wohnungsbau auch aus”, so Krämer-Knorr.

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