Westfälische Rundschau vom 18. Februar 2009

Trotz "Geld in den Taschen" nur wenig Kauflaune vor Ort

Dortmund Süd, 17.02.2009, Von Thomas Kampmann 

Lücklemberg. Standortfrage, Verkehrs- und Lärmbelastung, Ökologie & Umwelt: Wenn es um das geplante Einkaufszentrum an der Kirchhörder Straße 101 in Lücklemberg geht, verstehen viele Anlieger keinen Spaß. ...

Lebhaft ging es zu bei der Bürgerinformation im vollbesetzten großen Saal des Augustinums. Auch wenn Lücklemberg als unterversorgt gilt und die Stadt "genug Geld in den Taschen" der potenziellen Kunden vermutet: Die Pläne für das Einkaufszentrum in Lücklemberg stießen auf erhebliche Kritik. (Fotos: Linz/Pili, Montage: Brandt)

... Einige taten sich am Montagabend allerdings schwer damit zu begreifen, dass längst noch nichts entschieden ist. "Wir stehen ganz am Anfang des Verfahrens", betonte Stadtplaner Walter Nickisch ein ums andere Mal. Gehör verschaffte er sich damit nicht wirklich. Die Anlieger sind besorgt. Sie bringen ernst zu nehmende Bedenken gegen die Errichtung des neuen Rewe-Einkaufszentrums vor. Eine Mutter aus dem Pinienweg traut sich schon heute angesichts des vielen Verkehrs und der zu schmalen Gehwege kaum, mit dem Kinderwagen das Haus zu verlassen und die Kirchhörder Straße zu betreten. "Das ist lebensgefährlich", sagt sie und erntet Beifall aus den Reihen. "Wir wollen nicht noch mehr Lärm und Abgase ertragen", rufen andere in den großen Saal des Augustinums.

"Da saufen uns doch die Häuser ab"

"Die Wohnqualität leidet, unsere Häuser verlieren an Wert", argumentieren welche. Wiederum andere befürchten, dass 6000 qm versiegelte Fläche ihnen das Regenwasser in die Keller spült. "Da saufen uns doch die Häuser ab." Sie gehören zu den Hochwassergeschädigten vom Juli 2008.

Thomas Horster-Möller ist ebenfalls anwesend. Der Sprecher der neu formierten Bürgerinitiative "Schutzgemeinschaft Lücklemberg" berichtet, dass die Neubau-Gegner 600 Unterschriften gegen die Ansiedlung gesammelt haben. Das ist ein Fünftel der potenziellen Käufer. Standortuntersuchung und Einzelhandelsanalyse haben ergeben, dass die Nahversorgung in Lücklemberg zurzeit als nicht gesichert gilt. 4745 Einwohner leben hier, 1320 von ihnen sind über 65 Jahre alt. Das sind 27,8 Prozent und weit mehr als der gesamtstädtische Durchschnitt mit 20,5 Prozent. Diesen Menschen möchten Investor und Stadt das Leben und Einkaufen erleichtern und weite Wege mit der Tragetasche ersparen.

Die angebliche Unterversorgung quittiert ein Senior mit den Worten. "Satt sind wir aber alle bislang geworden." Die Kaufkraftbindung liegt zurzeit bei 57 Prozent durch vorhandene Einkaufszentren in der Umgebung. 85 Prozent sind durch den neuen Rewe möglich. "Es ist genug Geld in den Taschen", führt ein Experte der Stadt aus.

Die Politik hat das Wort. Die Bezirksvertretung Hombruch wird sich am 10. März dazu durchringen müssen (oder auch nicht), den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Hom 295 aufstellen zu lassen.

Gutachter haben keine Bedenken

Damit verbunden ist die 26. Änderung des Flächennutzungsplanes und Änderung des Landschaftsplanes Dortmund-Süd. Danach kommt das Bebauungsplanverfahren ins Rollen. Eins steht schon fest: Lärmgutachten und Untersuchungen zur Verkehrsverträglichkeit haben ergeben, dass das Bauvorhaben grundsätzlich machbar ist.

 

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