Westfälische Rundschau vom 29. November 2007

Keine Heuschrecken auf Kirchhörder Straße in Sicht

Von Susanne Meyer

Hombruch. "Heuschrecken" werden sie im Volksmund genannt, Firmen mit Sitz in Marokko oder New Jersey, die ehemals sozial gebundene Wohnanlagen aufkaufen und sie ohne Rücksicht auf die Mieter als Eigentumswohnungen wieder verhökern.

Der Investor "Mondura Liegenschaften", der im Mai die Anlage mit rund 80 Wohnungen an der Kirchhörder Straße 53 bis 57 und 61 bis 63 erworben hat, fällt wohl nicht darunter. Das glauben Verwaltung, Mieterverein und die Bezirksvertretung Hombruch. Eigentlich sollten Hans-Peter Neuhaus, Leiter des Amtes für Wohnungswesen, und Helmut Lierhaus, Vorsitzender des Mietervereins, in der Bezirksvertretung nur allgemein über die gesetzlichen Grundlagen für die Umwandlung von Miet- zu Eigentumswohnungen informieren. "Wir wollen keine Namen nennen", warnte Bezriksvorsteher Ulrich Steinmann. Beide Berichterstatter richteten in Sachen Kirchhörder Straße eindringliche Appelle an die Politiker: "Wir brauchen eine Vereinbarung mit dem Investor, dass gerade ältere und langjährige Mieter dort ein lebenslanges Wohnrecht erhalten", setzt Lierhaus auf die Hilfe der Politik. Mit der Gesetzesänderung, den Eigenbedarfsanspruch bei nicht sozial gebundenen Wohnungen ab dem 1. Januar 2007 von acht auf drei Jahren zu reduzieren, würde Spekulanten Tür und Tor geöffnet, sagte Neuhaus.

Wohnungen würden teilweise wie Artikel des täglichen Bedarfs gehandelt. "Was nicht verkauft wird, erwirbt dann wieder ein Zwischenerwerber. Dabei kommen die Menschen unter die Räder", weiß Neuhaus, dessen Amt schon leidvolle Erfahrungen mit "Heuschrecken" gemacht hat. Doch es gäbe auch die andere Seite: Investoren, die sich mit den Mietern vor der Umwandlung in Eigentum an einen Tisch setzen würden, mit ihnen sozialverträgliche Vereinbarungen schließen und ihnen so die Unsicherheit nehmen könnten. Darauf baut der stellvertretende Bezirksvorsteher Hans Semmler im konkreten Fall. Er steht in Kontakt zu "Mondura". Die Firma habe schon insgesamt 5000 Wohnungen bundesweit verkauft. "Es gab keine Probleme mit den neuen Eigentümern. Zudem hat Modura zugesichert, dass sozialverträglich gehandelt würde", wiegelte Semmler ab. Man solle daher bei den Mietern keine Angst schüren. Der Investor sei einer der erfolg-reichsten und schnellsten Verkäufer auf dem Markt.

Dies wiederum gibt Neuhaus zu denken: "Wer schnell verkauft, ist in der Regel kein Bestandshalter mit sozialer Rahmenverpflichtung." Und Ängste schüre der Investor selbst, der bisher noch keine klare Aussage in Sachen Kündigungsschutz gemacht habe, ergänzte Lierhaus. Einige Mieter hätten sich aus Angst, in drei Jahren kein Dach über dem Kopf zu haben, schon eine neue Bleibe gesucht, hat Michael Meurer (SPD) erfahren: "Es stehen schon Wohnungen leer." Über Jahrzehnte gewachsene Strukturen in der Siedlung drohe das Aus.

Die Politiker wollen jetzt Vertreter von "Mondura" zu einem interfraktionellen Gespräch laden. "Wir wollen ihn nicht ans Kreuz nageln, aber erwarten klare Ansagen", betonte Meurer.

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