Ruhrnachrichten vom 23. Februar 2006

Seelenbilder im Kosmos von Farben

Lücklemberg - Es war eine der spannendsten Finalrunden der bislang zehn Dortmunder Schubert-Wettbewerbe: 1991 siegten punktgleich die Dortmunder Pianistin Atsuko Seki und ihre japanische Landsfrau Hideyo Harada, eine brillante Technikerin und Pianistin mit großer Klangfantasie.Dem ersten Preis in Dortmund folgte zwei Jahre später der Sieg beim Rachmaninoff-Wettbewerb; danach hatte Hideyo Harada eine Professur in Wien, heute lebt sie " wie der erste Schubert-Preisträger Michael Endres " in Berlin. Dienstag kam sie nach Dortmund zurück, zu einem Recital ins Augustinum - schade, dass im Publikum keiner aus der großen Schubert-Wettbewerbsfamilie saß.Die 47-Jährige ist zu einer ausdrucksstarken Pianistin mit einem außerordentlich nuancierten Anschlag und einer traumwandlerischen technischen Sicherheit gereift. Schubert ist sie treu geblieben, gerade bereitet sie einen Schubert-Zyklus in Tokio vor.Ihr Konzert im Wohnstift begann Hideyo Harada mit Zugaben, den acht Impromptus von Schubert aus Opus 90 und 142. Im Tempo höchst beweglich und vor allem im ersten Impromptus aus op. 90 sehr gedehnt, spielte die Japanerin diese Stimmungsbilder. Die weiten Melodiebögen des Lyrikers Schubert breitete sie mit einer großen Tonkultur aus und zeigte in den schnellen Sätzen Schuberts Nähe zu Chopin.Perlende, glitzernde Faktur gab sie diesen quasi improvisierten "Einfällen" " was auf dem gestutzten Steinway, der weniger brillant als ein großer Konzertflügel klingt, gar nicht so leicht ist.Schumanns Fantasie-Zyklus "Kreisleriana" hat Klavier-Weltstar Imogen Cooper gerade noch bei der Gala zur Eröffnung des letzten Schubert-Wettbewerbs gespielt. Hideyo Haradas Interpretation (eine Hommage zum 150. Todestag des Komponisten) war zwingender, in vielen Teilen farbiger und von mehr dramatischer Kraft durchglüht.

Einen gewaltigen Kosmos an Farben und Klängen breitete die Japanerin in diesen Seelenstürmen zwischen Florestan und Eusebius aus, tauchte mit schwärmerischem Ton ab ins Seelendunkel der Stimmungsbilder und in einem brillant auf die Tasten getupften Spuk wieder auf. Auf seine Schubert-Preisträger sollte die Stadt stolz sein. - JG

 

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