Ruhr Nachrichten vom 15. Januar 2011

Film informierte Anwohner: Elektrosmog durch Hochspannungsleitung

LÜCKLEMBERG Die Zahlen und Fakten über "Elektrosmog", die Reinhard Wegener von der IG "Vorsicht-Hochspannung Do-Süd" am Donnerstag vorstellte, sind beinahe so erschreckend wie die gesundheitlichen Folgen, die den Anwohnern von Hochspannungsleitungen drohen.Von Christian Stein

Die Leitung mit 110.000 Volt Spannung hat ihren Ursprung im Umspannwerk in Kruckel und führt elf Kilometer über Kirchhörde, Wellinghofen, Benninghofen und Hörde. Also durch den halben Dortmunder Süden.
Die Mitglieder der Interessengemeinschaft haben rund 200 Häuser gezählt, die unmittelbar an der Hochspannungsleitung liegen. "Wir wollen keine Panik verbreiten, aber das sind 1500 Menschen, die den Elektrosmog abbekommen", sagt Reinhard Wegener. Der Gesetzgeber sieht einen Grenzwert für Deutschland von 100 Mikrotesla vor. Zum Vergleich: die Schweiz erlaubt 1 Mikotesla, Italien sogar nur 0,5. "Das ist fast das Dreihundertfache", stellt Wegener fest.

Alzheimer und Kinderleukämie
Sein Kollege Thomas Guth behauptet, dass viele Menschen, die in Lücklemberg und Umgebung im Schatten der Leitungsmasten leben, die Krankheiten aufweisen, die das Bundesamt für Strahlenschutz für "möglich" halten: Alzheimer und Kinderleukämie. "Beweise, dass Hochspannung dafür verantwortlich ist, haben wir nicht", betont der Anwohner aus der Schneiderstraße. Dass die Bürger nichts gegen das gesetzlich vorgeschriebene Limit von 100 Mikrotesla unternehmen können, ist den Aktivisten klar. Sie fordern dennoch, dass RWE dem Versprechen aus dem letzten Jahr nachkommt, die 74 Jahre alte Leitung zu sanieren und für mehr Transparenz zu sorgen. "Siedlungen wie bei uns würde es im Ausland aus Sicherheitsgründen nicht mehr geben", weiß Reinhard Wegener.

Wertverlust und Umziehen
Aber nicht nur, dass sich die Bewohner vor den Gesundheitsrisiken fürchten. Die Menschen haben Angst, dass ihre Heimat Lücklemberg, ein Stadtteil, der über die Grenzen von Dortmund hinaus einen guten Ruf genießt, an Wert verliert. "Wenn die Bergfeld-Siedlung noch zum Verkauf stehen würde, hätte die Stadt mit einem Wertverlust von 15 Millionen Eure zu kämpfen", stellte Michael C. Meurer, Mathematiklehrer und Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, fest.
Sascha Wegner, Mitglied der Interessengemeinschaft, gab sogar zu, dass er in diesen Tagen auf der Suche nach einem neuen Zuhause ist. Wie vermutlich viele andere Anwohner. 

Öffentliche Messung
Die Interessengemeinschaft "Vorsicht-Hochspannung Dortmund-Süd" wird mit Hilfe von Experten am 26. Mai, ab 17.30 Uhr, an der Feldbank in Wellinghofen eine öffentliche Messung an der 110 KV-Freileitung mit einer Auswertung und Diskussion vornehmen.

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