Tiedemann von Lemberg schrieb internationale Finanzgeschichte
Die Hansestadt Dortmund

Bild Kogge
Dortmund war bereits Hansestadt als die Lübecker Hanse noch gar nicht gab. Im frühen Mittelalter schlossen sich Kaufleute, Handwerker und Händler zusammen, um gegen die ständigen Überfälle und Plünderungen auf ihren Handelswegen zu verhindern. Dortmund galt als Vorort für alle  Städte und Gemeinden in ganz Westfalen, die Handel trieben. Die Dortmunder spezialisierten sich für das heutige Russland und die baltischen Länder. Als schließlich die eigentliche Hanse in Lübeck gegründet wurde, waren die Reichsstädter dabei. Die Kogge war das Symbol für die Hansestädte.  

Dieser Westfale war ein Kaufmann, für den keine bis dahin gängige Schablone passte. Weder behäbig, bieder noch sonderlich bedachtsam, bereicherte er die Palette hanseatischer Kaufmannscharaktere um eine neue, antihansische Spielart: den Spekulanten, den Draufgänger. Sein Mut zu waghalsigen finanziellen Transaktionen brachte ihn ebenso oft auch in Gegensatz zu seinen Landsleuten, die ihn sein Talent neiden mochten, immer wieder neue Geldquellen erschließen zu können, während sie selbst ständig mit Finanzierungsschwierigkeiten zu kämpfen hatten. So beschreibt Dieter Zimmerling in seinem Buch „Die Hanse“ den Lücklemberger Kaufmann Tiedemann von Lemberg.  
Zu jener Zeit am Ende des 13. Jahrhunderts gab es in der Streusiedlung Lemberg drei Höfe: Den Schultenhof, den Krambergskotten und den Seepenhof. Von welchem Hof die Familie Lemberg stammte ist ungewiß, es liegen keine Hinweise vor. Vermutlich ist es der Schultenhof. Im Jahre 1296 siedelte Lembergs Vater nach Dortmund über, er erwarb das Bürgerrecht. 1298 pachtete er vom Dortmuner Senat einen Schusterladen. Er trat in die einflußreiche Gilde der Schuster und Lohgärber ein, deren Mitglieder nicht selten - im Rahmen des Hansebunds -  vom Lederhandwerk zum Fernhandel mit Fellen, Häuten oder Leder übergingen.  
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310 wurde Tidemann geboren. Schon als junger Mann erkannte er die Chancen, die sich aus diesem Handel vornehmlich mit baltischen Staaten ergaben. Schon mit 30 Jahren gehörte Tiedemann zu den führenden deutschen und internationalen Kaufleuten. Seine umfangreichen Finanzgeschäfte vor allem mit der englischen Krone sprengten alles, was die ehrbaren Hansekaufleute erleben konnten. Englands König, Eduard III., war einer größten Prasser und Schnorrer, die je gelebt haben. Lemberg verschaffte dem König alle Geldmittel, die der Engländer brauchte.  
In den Jahren 1345 bis 1349 hielt Lemberg ein wertvolles Pfandobjekt in seinen Händen: Die englische Königskrone.  Im Laufe der Zeit erhielt der Dortmunder auch die Schürfrechte für den gesamten Abbau und Handel mit dem in ganz Europa begehrten Zink. Hier hatte Lemberg das absolute Monopol. Und ganz nebenbei kontrollierte Lemberg  nahezu den gesamten englischen Export.  
Tiedemann von Lemberg starb 1386 als reicher, kunstliebender Kaufmann und Mäzen in der Hansestadt Köln. Die Dortmunder Kaufleute hatten ihn aus der Stadt geekelt. Ein christlicher Kaufmann - so die Hansemitglieder - dürfe mit allem Möglichen handeln  nur nicht mit Geld. Daraufhin siedelte Lemberg in die Domstadt über, deren Magistrat weit weniger fundamentalistisch eingestellt war.  

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